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Jeden Tag steht das Gewissen vor der Wegkreuzung zwischen Gut und Böse

Maria Valtorta

Jesus und seine Apostel kommen an eine Kreuzung in der Nähe des Jordans. Die Menschen versammeln sich um sie herum... Wie so oft nutzt Jesus die gegenwärtigen Umstände, um zu lehren, hier in Form eines Gleichnisses.

«Die auf den Wegen des Herrn wandeln, auf den vom Herrn gewiesenen Wegen, und guten Willens sind, werden den Herrn finden. Ihr findet den Herrn auf der Rückkehr vom Passahfest, der erfüllten Pflicht jedes treuen Israeliten, und nun spricht die Weisheit, wie ihr es wünscht, an dieser Wegkreuzung zu euch, wo uns die Güte Gottes uns begegnen lässt.
Es sind der Wegkreuzungen viele, denen der Mensch auf seinem Lebensweg begegnet, mehr übernatürliche als natürliche Wegkreuzungen. Tagtäglich wird das Gewissen vor Scheidewege und Kreuzwege des Guten und des Bösen gestellt und muss mit Bedacht wählen, um sich nicht zu irren. Wenn es sich aber geirrt hat, muss es imstande sein, demütig zurückzukehren, wenn einer es ermahnt und darauf aufmerksam macht. Selbst wenn ihm der Weg des Bösen oder auch nur der der Lauheit schöner vorkommt, muss es imstande sein, den holprigen, aber sicheren Weg des Guten zu wählen.
Hört ein Gleichnis.
Eine Gruppe von Wanderern, die aus fernen Gegenden kam, auf der Suche nach Arbeit, gelangte an die Grenze eines Landes. An dieser Grenze befanden sich Arbeitsvermittler, die von verschiedenen Herren ausgesandt worden waren. Die einen suchten Arbeiter für das Bergwerk, die anderen für Felder und Wälder, einer suchte Knechte für einen reichen Gottlosen und ein anderer Soldaten für einen König, der in einem Schloss auf dem Gipfel eines Berges wohnte, zu dem ein sehr steiler Weg hinaufführte. Der König wollte Soldaten, verlangte jedoch, dass seine Miliz eher eine Miliz der Weisheit als der Gewalt sei, um diese in die Städte auszusenden und seine Untertanen zu heiligen. Aus diesem Grunde lebte er dort in der Höhe wie in einer Einsiedelei, um seine Knechte heranzubilden, ohne dass weltliche Lustbarkeiten die Bildung ihres Geistes verlangsamen oder gar verhindern könnten. Er versprach keine großen Geschenke und kein bequemes Leben, gab jedoch die Zusicherung, dass aus seinem Dienste Heiligkeit und Belohnung hervorgehen würden.
Dies sagten seine Boten zu denen, die an die Grenzen kamen. Die Boten der Bergwerkbesitzer oder der Besitzer der Felder hingegen sagten: “Es wird kein bequemes Leben sein, doch ihr werdet frei sein und so viel verdienen, dass ihr euch auch noch ein wenig Vergnügen leisten könnt.” Jene aber, die Knechte für einen schamlosen Reichen suchten, versprachen geradezu reichliche Nahrung, Müßiggang, Lustbarkeiten und Reichtum: “Es genügt, wenn ihr seine eigensinnigen Launen befriedigt, die aber nicht so schlimm sind. Ihr werdet ein Leben wie viele Satrapen führen können.”
Die Wanderer berieten sich untereinander. Trennen wollten sie sich nicht… und fragten: “Sind denn die Felder, die Bergwerke, der Palast des Lebemannes und das Schloss des Königs nahe beieinander?”
“O nein!” antworteten die Anwerber. “Kommt zu dieser Straßenkreuzung, und wir werden euch die verschiedenen Wege zeigen.”
Sie gingen hin.
“Hier, diese herrliche, schattige, blumige, ebene Straße mit den kühlen Brunnen führt zum Palast des Herrn”, sagten die Anwerber der Diener.
“Hier, diese staubige Straße zwischen friedlichen Äckern führt zu den Feldern. Die Sonne scheint, doch schaut nur, wie schön es ist”, sagten die Anwerber der Landarbeiter.
“Diese, die von Rädern gefurcht und mit dunklen Splittern bedeckt ist, zeigt die Richtung der Bergwerke an. Sie ist weder schön noch hässlich…” sagten jene von den Bergwerken.
“Und hier, dieser steile Weg, der in die Felsen eingeschnitten ist, der in der Sonne glüht und von Dornen und Disteln überwuchert wird, was das Voranschreiten zwar beschwerlich macht, aber die Verteidigung gegen die Angriffe der Feinde erleichtert, führt nach Osten zu dem schlichten Schloss. Wir könnten es gleichsam heilig nennen, da sich die Seelen dort zum Guten heranbilden”, sagten die Leute des Königs.
Die Wanderer schauten und schauten, und wägten ab… Viele Dinge verlockten sie, von denen nur eines ganz gut war. Langsam trennten sie sich. Es waren zehn. Drei wandten sich den Äckern zu… und zwei gingen zu den Bergwerken. Die Zurückgebliebenen schauten sich an, und zwei sagten: “Kommt mit uns zum König. Wir werden auf Erden nichts verdienen und nicht genießen, doch werden wir heilig sein in Ewigkeit.”
“Diesen Pfad dort? Wir müssten verrückt sein! Nichts verdienen? Nicht genießen? Dann wäre es nicht der Mühe wert gewesen, alles zu verlassen und auszuwandern, nur um noch weniger zu haben, als wir in unserer Heimat hatten. Wir wollen verdienen und genießen…”
“Aber ihr werdet das ewige Heil verlieren! Habt ihr nicht gehört, dass dieser Herr gottlos ist?”
“Märchen! Nach einiger Zeit werden wir ihn verlassen; doch werden wir zumindest genossen haben und reich sein!”
“Ihr werdet euch nicht mehr von ihm befreien können. Die ersten haben schlecht gehandelt, weil sie der Gier nach Geld gefolgt sind, ihr aber folgt der Gier nach Vergnügen. Oh! Setzt nicht für eine flüchtige Stunde das ewige Schicksal aufs Spiel!”
“Ihr seid töricht und glaubt an ideale Versprechungen. Wir sind für die Wirklichkeit. Lebt wohl!…” Und eilig schlugen sie die schöne schattige, blumige, wasserreiche, ebene Straße ein, an deren Ende der zauberhafte Palast des Lebemannes in der Sonne strahlte.
Die beiden Zurückgebliebenen schlugen weinend und betend den steilen Pfad ein. Nach einigen Metern waren sie schon fast entmutigt, so schwierig war er. Doch sie harrten aus. Die körperliche Anstrengung schien immer unbedeutender zu werden, je weiter sie vorankamen, und in ihrer Mühe wurden sie durch eine eigenartige Freude getröstet. Sie kamen stöhnend und zerkratzt auf der Höhe des Berges an und wurden vor den König geführt, der ihnen alles sagte, was er von ihnen verlangte, um sie zu seinen Erben zu machen. Zum Schluss sagte er: “Überlegt es euch acht Tage lang, und dann bringt mir die Antwort.”
Sie überlegten lange und überstanden schwere Angriffe des Verführers, der sie entmutigen wollte, indem er das Fleisch sagen ließ: “Ihr tötet mich ab” und sie mit der Erinnerung an die Welt versuchte. Doch sie siegten. Sie hielten durch. Sie wurden zu Helden im Guten. Es kam der Tod, also die Verherrlichung. Von der Höhe des Himmels schauten sie hinab auf die, die zu dem gottlosen Herrn gegangen waren. Über das Leben hinaus angekettet, seufzten sie im Dunkel der Hölle. “Und sie wollten frei sein und genießen!” sagten die beiden Heiligen.
Die drei Verfluchten sahen sie und wurden zornig, verfluchten alle, Gott als ersten, und sagten: “Ihr habt uns alle betrogen.”
“Nein, das könnt ihr nicht sagen. Die Gefahr hatte man euch genannt. Ihr habt euer Unglück selbst gewollt”, antworteten die Seligen, die freundlich blieben, selbst als sie den schmählichen Hohn und die schamlosen Flüche hörten, die ihnen entgegengeschleudert wurden.
Danach sahen sie die, die auf die Felder und in die Bergwerke gegangen waren, an verschiedenen Reinigungsorten, und jene sahen sie und sagten: “Wir waren weder gut noch böse, und jetzt büßen wir für unsere Lauheit. Betet für uns!”
“Oh, das werden wir tun. Aber warum seid ihr nicht mit uns gekommen?”
“Wir waren zwar keine Dämonen, aber Menschen… Wir waren nicht hochherzig. Wir liebten das Vergängliche, wenn es auch ehrbar war, mehr als das Ewige und Heilige. Nun lernen wir mit Gerechtigkeit zu erkennen und zu lieben.”
Das Gleichnis ist zu Ende. Jeder Mensch befindet sich am Kreuzweg, an einem immerwährenden Kreuzweg. Selig jene, die ausharren und großmütig auf den Wegen des Guten wandeln. Gott möge ihnen helfen, und Gott möge die, die nicht so sind, rühren und bekehren und sie dazu bringen, gut zu sein. Geht in Frieden.»
Auszug aus: «Der Gottmensch» Band 7, S. 95-98
 

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