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Ostern

Christus, Sohn des lebendigen Gottes!
Wir sind hier: deine Kirche,
Leib von deinem Leib und deinem Blut;
wir sind hier und wachen.
(…)
Wir wachen, um jenen Frauen zuvorzukommen,
die „in aller Frühe“ zum Grab gehen werden
„mit den wohlriechenden Salben,
die sie zubereitet hatten“, um deinen
vor zwei Tagen zu Grabe getragenen Leib zu salben

Wir wachen, um bei deinem Grab zu sein,
ehe Petrus, von den Worten
der drei Frauen bewogen, hierherkommt;
ehe Petrus kommt,
der, wenn er sich vorbeugt,
nur die Leinenbinden dort liegen sehen
und zu den Aposteln zurückkehren wird
„voll Verwunderung über das, was geschehen war“.
Und geschehen war, was die Frauen,
Maria von Magdala, Johanna und Maria,
die Mutter des Jakobus, gesehen und gehört hatten,
als sie zum Grabe kamen
und der Stein weggenommen war:
„Sie gingen hinein, aber den Leichnam
Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.“
In diesem Augenblick war zum ersten Mal
in jenem leeren Grab, in das zwei Tage
zuvor dein Leichnam gelegt worden war,
das Wort zu hören:

„Er ist auferstanden!“
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.
euch an das, was er euch gesagt hat,
als er noch in Galiläa war:
Der Menschensohn muß den Sündern ausgeliefert
und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.“
Deshalb sind wir hier.
Deshalb wachen wir. (…)
Wir wollen bei dir sein,
wir, deine Kirche, Leib von deinem Leib
deinem am Kreuz vergossenen Blut.

Wir sind dein Leib, wir eine dein Volk
Wir sind viele.
Wir kommen an vielen Orten der Erde
in dieser heiligen Osternacht zusammen. (…)
Wir sind viele
und uns alle vereint und verbindet der Glaube,
der aus deinem Ostern entstanden ist,
aus deinem Durchgang durch den Tod zum neuen Leben,
der Glaube, der aus deiner Auferstehung geboren ist.
„Diese Nacht ist uns heilig.“

Wir sind viele - und uns alle
eint und verbindet eine einzige Taufe.
Durch diese Taufe, „die uns in deinen Tod versenkt“,
sind wir zusammen mit dir, Christus,
begraben worden „auf den Tod,
und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den
Toten auferweckt wurde,
so sollen auch wir als neue Menschen leben“.

Ja, deine Auferstehung, Christus,
ist die Herrlichkeit des Vaters.
Deine Auferstehung offenbart die Herrlichkeit
des Vaters, dem du dich im Augenblick des Todes
bis zum Ende anvertraut hast,
indem du ihm deinen Geist
mit den Worten übergabst:
„Vater, in deine Hände…“
Und zusammen mit dir hast du auch uns alle
ihm übergeben, als du als Menschensohn am Kreuz starbst
als unser Bruder und Erlöser.
In deinem Tod hast du
dem Vater unseren menschlichen Tod,
das vom Tod gezeichnete Dasein
jedes Menschen dargebracht.

Und siehe, der Vater übergibt dir,
dem Menschensohn, dieses Leben,
das du ihm bis zum Ende anvertraut hast.
Dank der Herrlichkeit des Vaters
stehst du auf von den Toten.
In der Auferstehung wird der Vater verherrlicht,
und du wirst verherrlicht im Vater,
dem du bis zuletzt dein Leben im Tod anvertraut hast:
Du wirst verherrlicht durch das Leben,
durch das neue Leben,
durch dasselbe und dennoch neue Leben.

Du bist Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes,
den der Vater durch die Auferstehung und das Leben
inmitten der Menschheitsgeschichte verherrlicht hat.

In deinem Tod hast du dem Vater
das Leben eines jeden von uns,
das Leben jedes Menschen,
das von der Notwendigkeit des Todes gezeichnet ist,
übergeben, auf daß in deiner Auferstehung
jeder das Bewußtsein und die Gewißheit gewinnen könne
durch dich und zusammen mit dir
in das neue Leben einzutreten.

Wir sind viele,
die wir heute nacht an deinem Grab wachen.
Uns alle verbindet
„ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller“.

Christus, Sohn des lebendigen Gottes,
nimm an von uns diese heilige Vigil in der Osternacht
und schenke uns jene Freude des neuen Lebens,
die wir in uns tragen und die nur du
dem menschlichen Herzen geben kannst:
du, der Auferstandene,
du, unser Ostern!

(Aus der Predigt in der Osternacht am 5. April 1980)